Das Einmaleins der Themensuche

Die Bachelor- oder Masterarbeit steht an, und ihr wisst nicht, worüber ihr schreiben sollt? Wir verraten euch, wie ihr ein Thema findet!

12.02.2019
Lydia
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Das Einmaleins der Themensuche

Eine gute Bachelor- oder Masterarbeit steht und fällt mit einer guten Frage. Denn eine Frage will beantwortet werden, und voilá, schon habt ihr eine grobe Skizze für euren Text. Das Thema steckt dabei den Rahmen  ab, die Forschungsfrage präzisiert das Thema. Doch wie kommt man nun an ein gutes Thema?

Ganz oft sind das Zufälle: Eine beiläufige Bemerkung beim Abendessen mit Freunden, ein flüchtig überflogener Zeitungsartikel oder ein Praktikum in einem Unternehmen. Themen gibt es wie Sand am Meer. Es ist gut, wenn euch das Thema interessiert – allerdings auch nicht zu sehr. Denn wenn ihr zum Beispiel persönlich betroffen seid, fehlt euch der notwendige professionelle Abstand. Interesse also ja, für das Thema brennen nein.

Ihr könnt ein Thema auch systematisch entwickeln: Macht ein Brainstorming und haltet eure Gedanken schriftlich fest. Aussortieren könnt ihr später. Geht alte Vorlesungsunterlagen durch, lest Fachzeitschriften, unterhaltet euch mit Kommilitonen. Gab es in letzter Zeit eine gesellschaftliche, politische oder wirtschaftliche Debatte, die euch beschäftigt hat? Oder könnt ihr Verknüpfungen zu anderen Fächern oder eigenen Erfahrungen herstellen, etwa zu einer Reise oder einem Auslandsaufenthalt? Auch die Dozenten helfen oft gerne weiter. Und wichtig: Fangt frühzeitig mit der Themensuche an. Am besten legt ihr euch eine kleine Ideensammlung an – sei es als Post-its, per Smartphone, in einem Notizbuch oder mit Magneten am Kühlschrank.

Wenn ihr ein Thema habt, müsst ihr dieses in einem zweiten Schritt zu einer Fragestellung verdichten. Bevor ihr loslegt, solltet ihr also beantworten können, was ihr in eurer Arbeit herausfinden möchtet. Je enger, desto besser. Andernfalls kann es leicht passieren, dass ihr am Thema vorbeischreibt oder die Arbeit keinen roten Faden hat. Hilfreich ist dabei das Pentagon der W-Fragen: Was? Warum? Woran? Womit? Wie?

Was (wollt ihr in der Arbeit herausfinden)? → Zielsetzung, Fragestellung

Warum (stellt ihr diese Forschungsfrage)? → Relevanz

Woran (untersucht ihr die Forschungsfrage)? → Forschungsgegenstand

Womit (untersucht ihr die Forschungsfrage)? → Werkzeuge (z. B. Theorien, Methoden, Modelle, Konzepte und Ähnliches zur Erhebung, Analyse und Auswertung)

Wie (geht ihr vor, um die Forschungsfrage zu beantworten)? → Forschungsdesign, Aufbau und Struktur

Wenn ihr die fünf Fragen beantwortet habt, kann es losgehen!

Beispiel gefällig? Nehmen wir an, euer grobes Forschungsgebiet sind Versicherungen (ja, sorry, ich weiß, wir sind auch Versicherer, da liegt das Thema irgendwie auf der Hand). Also: Ihr wisst, dass ihr irgendetwas zum Thema Versicherung machen wollt. Das ist aber noch viel zu breit. Kürzlich hatte ein Freund von euch aber einen Wasserschaden in der Wohnung, und hat euch erzählt, dass er ziemlich viel rumtelefonieren musste, bis er endlich einen Ansprechpartner gefunden hatte, um seinen Schaden zu melden. Er war ziemlich genervt und hatte ausführlich geflucht, doch schneller ging es dadurch auch nicht.  

Vor diesem Hintergrund überlegt ihr euch, welchen Einfluss eine gutes Schadenabwicklung auf die Zufriedenheit von Versicherungskunden hat. Das ist schon eine richtige Forschungsfrage.

Das Problem dabei: Für eine Doktorarbeit wäre das vielleicht in Ordnung, für eine Bachelorarbeit auf keinen Fall. Ihr müsst die Frage konkretisieren. Beispielsweise könntet ihr euch räumlich nur auf Versicherungen in Deutschland beschränken. Das wäre immer noch zu breit – besser wäre vermutlich ein Vergleich zwischen zwei unterschiedlichen Anbietern. Oder ihr seht euch nur eine bestimmte Kundengruppe an, etwa Menschen unter 30. Hinzu kommt eine methodische Eingrenzung. Wie wollt ihr das herausfinden? Mit einer quantitativen Befragung? Mit qualitativen Experteninterviews? Mit einer Testgruppe aus potenziellen Kunden? Oder wollt ihr eine Literaturübersicht schreiben und zusammenfassen, was andere zu diesem Thema schon herausgefunden haben? Auch das ist möglich! Weitere Optionen, die Frage einzugrenzen, wäre etwa zeitlich, nach Bevölkerungsgruppe oder ereignisbezogen (meist im Hinblick auf ein politisches, wirtschaftliches oder gesellschaftliches Ereignis).

Hier nochmal ein mögliches Themenpentagon am Versicherungsbeispiel:

Was? → Zielsetzung der Arbeit ist es herauszufinden, ob und inwieweit Versicherungskunden von Neo-Versicherern bei der Schadensbearbeitung zufriedener sind als Kunden traditioneller Versicherungsanbieter

Warum? → Die Digitalisierung hat auch die Versicherungsindustrie erreicht. Insurtechs setzen auf technologische Lösungen und versprechen, die Versicherungserfahrung für Kunden zu verbessern. Dazu gibt es bislang kaum wissenschaftliche Untersuchungen. Die Arbeit will diese Lücke schließen.

Woran? → Forschungsgegenstand sind zwei Haftpflichtversicherungen von einem Insurtech und einem traditionellen Anbieter

Womit? → Experteninterviews unter Versicherungskunden in der Zielgruppe 20-30 Jahre anhand eines halboffenen Gesprächsleitfadens, anschließend Inhaltsanalyse

Wie? → Qualitative Erhebung (siehe oben), also nicht repräsentativ, aber als Indikator für weitere quantitative Forschung, Arbeit gliedert sich in x Kapitel, …

Ihr seht also: Ein Thema immer weiter konkretisieren ist immer möglich. Lasst euren Ideen einfach freien Lauf.

Jetzt aber gutes Gelingen. Und meldet euch bei Fragen und anderen Themenwünschen!

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