Einbruchrisiko in Städten: Deutsche Haushalte in Großstädten zu wenig abgesichert

Gerade junge Menschen in einbruchgefährdeten Städten sind oft nur unzureichend gegen Diebstahl versichert

2019-11-19
Lydia
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  • Jedes Jahr werden in Deutschland knapp 100.000 Einbrüche verübt.
  • In Städten mit höherer Einbruchquote werden weniger Versicherungen abgeschlossen; in Städten mit geringer Einbruchquote ist es umgekehrt.
  • Gerade junge Menschen haben keinen ausreichenden Versicherungsschutz.

Studie zu Kriminalität und Versicherungsschutz

Alle fünf Minuten wird in Deutschland in eine Wohnung eingebrochen – gerade in der dunklen Jahreszeit schlagen Einbrecher häufiger zu. Vier von fünf Einbrüchen bleiben dabei unaufgeklärt. Eine Studie von Getsafe zeigt: Gerade junge Menschen in einbruchgefährdeten Städten sind oft nur unzureichend gegen Diebstahl versichert. Im Gegenzug ist der Versicherungsschutz in anderen Städten auffällig hoch – bei unterdurchschnittlichem Einbruchsrisiko.

Deutsche sind risikoscheu

Die Deutschen gelten allgemein als risikoscheu – vor allem bei der Geldanlage: Anstatt auf Aktien setzen sie trotz Niedrigzinsen auf Sparbücher oder lagern ihr Vermögen unter der Matratze oder im Kleiderschrank. Über 200 Milliarden Euro bunkern Bundesbürger nach einer Analyse von Barkow Consulting bar zu Hause – und die Tendenz steigt. 

Ein ähnliches Bild spiegelt sich in der Vorliebe der Deutschen für Versicherungen wider: Rund 2.500 Euro geben Bundesbürger jährlich für ihre Versicherungen aus; sechs Policen sind es im Durchschnitt. Damit liegen sie im europäischen Vergleich im oberen Bereich.

Einbruchdelikte werden von der Hausratversicherung abgedeckt

Angesichts dieser Risikoaversion liegt die Schlussfolgerung nahe, dass Deutsche auch ihr Eigenheim besonders gut mit einer Hausratversicherung absichern – insbesondere dort, wo Einbrüche laut Bundeskriminalamt häufiger vorkommen. Doch obwohl Einbruchsdelikte die zweithäufigste Ursache für Schadensmeldungen sind, ist bei den eigenen vier Wänden Schluss mit der Vorsicht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des digitalen Versicherungsanbieters Getsafe.

In Städten mit höherer Einbruchquote werden weniger Versicherungen abgeschlossen

Das Bemerkenswerte: In Städten, in denen Einbrüche laut Bundeskriminalamt häufiger vorkommen, haben Menschen tendenziell seltener eine Hausratversicherung. Sie würde einspringen, wenn Hab und Gut gestohlen werden. Gerade in Großstädten haben die Menschen vergleichsweise selten eine Hausratversicherung – und das bei deutlich höherem Einbruchrisiko. Am nachlässigsten sind dabei die Hamburger, gefolgt von Berlin, Köln, Düsseldorf und Hannover.

In Städten mit geringer Einbruchquote werden mehr Versicherungen abgeschlossen

Daneben lässt sich jedoch auch der gegenteilige Trend beobachten: In vergleichsweise sicheren, kleineren Städten haben überdurchschnittlich viele Menschen eine Hausratversicherung. Die am besten abgesicherten Haushalte gibt es demnach in Darmstadt, Augsburg, Braunschweig, Mainz und Mannheim. Einwohner in sicheren Städten stufen das Einbruchrisiko demnach als höher ein, als es tatsächlich ist; umgekehrt wiegen sich Einwohner in bevölkerungsreichen, einbruchstarken Städten in Sicherheit und investieren zu wenig in einen angemessenen Schutz.

Für die Studie analysierte Getsafe die amtlichen Einbruchstatistiken des Bundeskriminalamts und verglich sie mit über 70.000 eigenen Kundendaten. Berücksichtigt wurden deutsche Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern; das durchschnittliche Alter der Kunden ist mit 29 Jahren sehr jung. 

Gerade junge Menschen haben keinen ausreichenden Versicherungsschutz

Dieses Ergebnis wird auch von einer Auswertung des Statistischen Bundesamtes gestützt, wonach zwar fast Dreiviertel der Deutschen eine Hausratversicherung abschließen – in der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen liegt dieser Anteil jedoch nur bei 63 Prozent. Gerade junge Menschen scheinen demnach nicht ausreichend für das Thema Versicherung sensibilisiert zu sein. 

Millennials, also jene Bevölkerungskohorte, die im Zeitraum der frühen 1980er bis zu den späten 1990er Jahren geboren wurde, zeigen somit ein anderes Versicherungsverhalten als der “Durchschnittsdeutsche”. Diese Generation hat andere Lebens- und Kommunikationsgewohnheiten, steht Versicherungsmaklern und Finanzdienstleistern häufig skeptisch gegenüber und erwartet, dass Informationen und Dienstleistungen jederzeit digital per Knopfdruck abrufbar sind. Denkbar ist ebenfalls, dass junge Menschen oft noch keinen wertvollen Hausrat oder teure Wertgegenstände besitzen und daher eine Absicherung als überflüssig bewerten. 

Laut Einbruchstatistik sind übrigens Reutlingen, Erlangen, Würzburg, Fürth und Jena die sichersten Städte. Die meisten Einbrüche pro Kopf werden dagegen in Berlin, Hamburg, Köln, Bremen und Dortmund verübt.