Der Unfallbegriff in der Unfallversicherung

Unfall gleich Unfall? Leider weit gefehlt. Hier erfährst du, was als Unfall zählt und was nicht.

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Lesedauer: 2 Minuten

2020-04-23

Definition: Was ist ein Unfall?

Eine wichtige Frage, wenn es um die Leistungen der privaten Unfallversicherung geht: Was ist ein Unfall überhaupt? Ein Unfall liegt vor, wenn du unfreiwillig durch ein plötzliches, unvorhergesehenes Ereignis gesundheitlich geschädigt wirst. Im Versicherungsjargon spricht man auch von „PAUKE“ und bezeichnet damit die Faktoren, die zusammenkommen müssen, damit die Unfallversicherung greift: Der Unfall muss durch ein Plötzlich von Außen Unfreiwillig auf den Körper einwirkendes Ereignis ausgelöst sein.

Das ist zwar sperrig, aber wichtig zu verstehen. Du darfst den Unfall also nicht absichtlich herbeiführen und er darf nicht innerlich verursacht sein (hierzu gleich mehr). Wenn du also etwa beim Fußball so schwer gefoult wirst, dass dein Bein langfristig versteift bleibt, bist du mit der Unfallversicherung geschützt. Gleiches gilt, wenn du deinem Kumpel beim Umzug hilfst und dir beim Tragen ein schwerer Schrank auf den Fuß fällt oder du dir einen Muskel zerrst.

Die meisten Versicherungen schließen auch Unfälle ein, die du selbst durch eine erhöhte Kraftanstrengung oder Eigenbewegung verursachst – also ohne plötzliches Einwirken von außen. Dazu zählt etwa, wenn du beim morgendlichen Joggen über eine Baumwurzel stolperst und dir ein Gelenk verrenkst oder dir bei einem Fahrradsturz Sehnen oder Bänder reißt. Auch wenn der Schaden erst später eintritt, gilt dies als Unfall – beispielsweise wenn du beim Klettern in eine Felsspalte stürzt und dir Erfrierungen zuziehst. Die Unfallfolgen müssen dabei dauerhaft sein (mehr dazu auch im Abschnitt: “Welche Bedingungen müssen erfüllt sein, damit die Versicherung zahlt?”)

Ist eine Krankheit ein Unfall?

Wie oben erklärt, liegt ein Unfall im Sinne der Unfallversicherung vor, wenn du durch ein plötzlich von außen auf den Körper einwirkendes Ereignis geschädigt wirst. Eine Krankheit ist demnach kein Unfall – und daher auch nicht durch die private Unfallversicherung abgedeckt. Neben Krankheiten (wie z. B. Diabetes oder Gelenkerkrankungen) sind auch angeborene Gebrechen (wie z. B. Fehlstellungen der Wirbelsäule) nicht im Leistungsschutz enthalten. Das gilt auch, wenn dein Kreislauf versagt und du stürzt, denn dein Kreislaufversagen hat organische Ursachen (etwa Epilepsie oder einen Schlaganfall). Natürlich gibt es auch Grenzfälle. Deshalb prüft die Versicherung in der Praxis stets den Einzelfall.

Welche Unfälle sind vom Versicherungsschutz ausgeschlossen?

Nicht alle Unfallursachen sind in deiner Unfallversicherung abgedeckt. Lies dir deshalb die Vertragsbedingungen genau durch. Der Leistungsumfang unterscheidet sich von Anbieter zu Anbieter.

Bei den meisten Unfallversicherungen sind etwa Unfälle durch Geistes- oder Bewusstseinsstörungen nicht in den Versicherungsleistungen enthalten. Darunter fallen zum Beispiel Unfälle, die durch einen Schlaganfall, Alkohol, Drogen oder Medikamente verursacht werden. Wenn du etwa betrunken mit dem Auto in eine Leitplanke fährst und dich schwer verletzt, so ist das selbst verschuldet. Die Unfallversicherung zahlt hier nicht. Ebenfalls ausgeschlossen sind meistens Unfälle durch radioaktive Strahlung, Infektionen oder Vergiftungen. Auch Schäden an Bandscheiben oder Meniskus werden von vielen Versicherungsgesellschaften als Verschleißerscheinungen gewertet und nicht als Unfall akzeptiert. Und auch wenn es vermutlich selbstverständlich ist, sei trotzdem erwähnt: Wenn du deine Kräfte im Auto- oder Motorradrennen misst und verunglückst, musst du die Unfallfolgen selbst tragen.

Was ist mit Sportunfällen?

Normale Sportunfälle sind von deiner privaten Unfallversicherung in der Regel abgedeckt. Ausnahmen gibt es jedoch bei riskanten Sportarten. Wenn du etwa ein leidenschaftlicher Motorradrennfahrer bist oder gern Gleitschirm oder Drachen fliegst, brauchst du einen speziellen Zusatzschutz.

Welche Bedingungen müssen erfüllt sein, damit die Versicherung zahlt?

Damit die Versicherung zahlt, muss deine Gesundheit dauerhaft, mindestens aber drei Jahre, beeinträchtigt sein. Experten sprechen hier von Invalidität und meinen damit, dass sich der Gesundheitszustand nicht mehr verbessert. Mehr dazu liest du in diesem Glossarartikel. Vorübergehende Unfallfolgen wie ein gebrochenes Bein nach einem Sturz sind dagegen nicht versichert. Wichtig ist auch, dass deine körperliche oder geistige Leistungsfähigkeit wirklich durch einen Unfall beeinträchtigt worden ist.

Autor: Lydia