Handyversicherung – sinnvoll oder Abzocke?

Smartphone-Versicherungen sind in der Regel nicht nur teuer, sondern greifen auch in vielen Fällen nicht. Wir erklären dir, was du wissen solltest

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Lesedauer: 3 Minuten

2020-02-21

Handyversicherungen übernehmen in der Regel unvorhergesehene Beschädigungen oder Zerstörungen, beispielsweise durch Herunterfallen und Feuchtigkeit, Bedienungsfehler, Kurzschluss oder Blitzeinschlag. Je nach Anbieter unterscheiden sich die Leistungen allerdings erheblich und die Liste der Einschränkungen ist lang.

Welche Schäden sind von einer Handyversicherung abgesichert?

Bruchschäden sind der Klassiker unter den Missgeschicken und deshalb auch in jeder gängigen Handyversicherung eingeschlossen. Auch der Schutz gegen Flüssigkeitsschäden zählt mittlerweile zum Standard. Allerdings sehen Versicherer hier genau hin: Wenn du dein Smartphone mit ins Schwimmbad oder Badezimmer nimmst und es ins Wasser fällt, könntest du Pech haben. Gleiches gilt, wenn du es mit einem Getränk überschüttest. Häufig sind nur Leitungswasserschäden nach einem Rohrbruch versichert, und die sind extrem selten.

Ebenfalls abgesichert sind Überspannungsschäden. Hängt das Telefon bei einem Gewitter am Strom, droht bei einem Blitzeinschlag der Totalausfall deines Geräts.

Wird dir dein Handy unter Gewaltandrohung entwendet, zahlt die Versicherung ebenfalls. Kniffliger ist es bei einfachem Taschendiebstahl. Diese Variante des Diebstahls ist oft nur in teureren Paketen enthalten, und auch hier zahlt die Versicherung nur, wenn du nicht grob fahrlässig gehandelt hast (siehe unten).

Wann zahlt die Versicherung nicht?

Grundsätzlich erhalten Kunden eine Ersatzleistung nur, wenn sie das Smartphone nicht mehr benutzen können. Ein Kratzer auf dem Display oder dem Handy-Gehäuse reicht dafür nicht aus. Normale Gebrauchsspuren und Verschleiß sind daher nicht mitversichert.

Viele Menschen gehen außerdem davon aus, dass eine Handyversicherung auch bei Diebstahl bezahlt. Das ist so nicht richtig. Manche Versicherungen zahlen nämlich nur dann, wenn du dein Handy ständig beaufsichtigt hast und es nah am Körper trägst. Befindet sich das Handy dagegen im Seitenfach deines Rucksacks, der Außentasche deines Mantels oder in einer unverschlossenen Umkleidekabine, muss die Handyversicherung nicht zahlen. Gleiches gilt, wenn du dein Handy für einen Moment offen liegen lässt, etwa, um auf die Toilette zu gehen. Vereinfacht gesagt: Nur wenn du jederzeit in der Lage bist, den Versuch eines Diebstahls abzuwehren, ist das Handy zweifelsfrei versichert.

Auch bei Virenbefall, kaputten Kleinteilen oder Schäden durch Witterungseinflüsse muss der Besitzer meist selbst für den Schaden aufkommen.

Bekomme ich im Schadensfall von der Versicherung ein neues Handy?

Im Schadensfall versucht die Versicherung zunächst, dein Handy wieder voll funktionsfähig zu machen (und trägt dafür die Kosten). An erster Stelle steht also eine Reparatur. Erst wenn eine Reparatur nicht möglich oder nicht sinnvoll ist, wird das Gerät ersetzt. Alternativ kann sie dir ein gleichwertiges (unter Umständen gebrauchtes) Ersatzgerät zur Verfügung stellen.

Fast immer sind Handyversicherungen eine Zeitwertversicherung. Das bedeutet, dass du von der Versicherung nicht den Kaufpreis, sondern den aktuellen Zeitwert des Handys erstattet bekommst. Dieser beträgt nach einem Jahr nur noch 50 bis 80 Prozent des Neupreises. Oft ist es so geregelt, dass die Versicherung nach einem Schaden in den ersten Monaten den Neuwert erstattet und später den jeweiligen Zeitwert.

Wann greifen Gewährleistung, Herstellergarantie und andere Versicherungen?

Hast du dein Handy in Deutschland gekauft, so gilt zunächst die gesetzliche Gewährleistungspflicht, die bei neuen Geräten zwei Jahre beträgt. Tritt ein Defekt in den ersten sechs Monaten nach Übergabe der Ware auf, wird angenommen, dass der Mangel schon zum Zeitpunkt der Lieferung bestand. Nach dieser Frist liegt es an dir zu beweisen, dass der Defekt schon vorher da war. Ergänzend bieten viele Hersteller eine freiwillige Garantie auf einzelne Teile oder das gesamte Gerät über einen bestimmten Zeitraum an. Auch ohne Handyversicherung bleibst du also nicht notwendigerweise auf allen Kosten sitzen.

Manchmal greifen auch die Haftpflicht- oder Hausratversicherung: Verursacht eine andere Person einen Schaden an deinem Mobiltelefon, hast du Glück im Unglück: Die Haftpflichtversicherung dieser Person springt ein. Wurde das Handy bei einem Einbruch in den eigenen vier Wänden gestohlen oder fiel mitsamt der Wohnung einem Brand zum Opfer, zahlt die Hausratversicherung. Auch bei Schäden durch Leitungswasser oder bei einer Überschwemmung leistet der Hausratversicherer.

Wie teuer ist eine Handyversicherung?

Der Preis für eine Handyversicherung richtet sich meistens nach dem Kaufpreis des Smartphones – je teurer das Handy, desto teurer die Versicherung. In der Regel musst du mit 10 bis 20 Prozent des Geräteneupreises pro Jahr bei einer Mindestlaufzeit von zwei Jahren rechnen. Damit sind Handyversicherungen vergleichsweise teuer. Ein Beispiel: Du hast dir ein neues Smartphone für 1.000 Euro gekauft. Mit einer Handyversicherung kommen zusätzlich bis zu 200 Euro im Jahr hinzu.

Viele Versicherungen bieten außerdem eine Selbstbeteiligung an. Dadurch sinkt die Versicherungsprämie. Kommt es jedoch zu einem Schaden, so musst du selbst einen gewissen Betrag übernehmen – entweder eine fixe Summe oder einen variablen Anteil, der als Prozentsatz vom Neupreis definiert ist.

Nicht im Laden kaufen

Oft bieten Verkäufer bereits im Geschäft eine Smartphone-Versicherung an. Verbraucherschützer raten jedoch davon ab, hier vorschnell zu handeln. Denn oft kommt es auf das Kleingedruckte an, und es lohnt, unterschiedliche Tarife im Netz miteinander zu vergleichen. Lass dich also nicht unter Druck setzen und lies dir die Versicherungsbedingungen in Ruhe durch.

Fazit: Handy­versicherung nur in wenigen Fällen sinnvoll

Ein Leben ohne Smartphone – viele Menschen können sich das nicht mehr vorstellen. Eine existenzielle Bedrohung ist der Verlust des Smartphones jedoch so gut wie nie.

Eine Handyversicherung lohnt sich also nur bei hochpreisigen Smartphones – vor allem dann, wenn du kein regelmäßiges Einkommen hast und dir nicht ohne Weiteres ein neues Smartphone kaufen kannst. Auch wenn du zu den Personen gehörst, die regelmäßig die aktuellsten Modelle bekannter Hersteller besitzen (Kaufpreis um/über 1.000€) und dir  tendenziell alle zwei Jahre ein neues Telefon zulegst, kannst du darüber nachdenken. Voraussetzung ist, dass das Gerät unbeschädigt ist.

Für alle anderen Smartphone-Besitzer gilt: Rechnet euch gut aus, wie viel die Versicherung im Schadensfall in ein oder zwei Jahren zahlen würde. Dabei solltet ihr den Anschaffungspreis des Geräts, die Summe der bis dahin gezahlten Beiträge, den Eigenanteil im Schadensfall und die Wertminderung des Geräts berücksichtigen. Je günstiger das neue Smartphone ist, desto weniger lohnt sich eine eigenständige Versicherung.

Autor: Lydia