Rhetorik im Job: So wichtig sind Rede-Skills für deine Karriere

Mit diesen Experten-Tipps wirst du zum Wortschatzakrobat!

09.08.2018
Marlen

„Wie gut kannst du reden?“ Eine schwierige Frage, oder? Schließlich sprechen die meisten von uns jeden Tag mit vielen Menschen, ohne sich über das Wie Gedanken zu machen. Meistens funktioniert das ganz gut. Es gibt aber auch Situationen, bei denen man sich im Nachhinein fragt:

“Warum habe ich trotz guter Argumente nicht überzeugt?”

Wenn die Argumente wirklich so gut waren, ist womöglich die Rhetorik schuld. Bei Präsentationen und Verhandlungen kommt es nämlich nicht nur auf den Inhalt an. Sondern auch darauf, wie er präsentiert wird und wie du dich selbst verkauft. Das gilt auch bei der Jobsuche. Sprichst du leise und zaghaft, fällt es dir wahrscheinlich häufig schwer, andere von dir zu überzeugen. Wer dagegen seine Ziele selbstbewusst formuliert und sich auch sonst ansprechend verkauft, hat deutlich bessere Chancen bei Recruitern (mehr Tipps für die nächste Gehaltsverhandlung findest du übrigens hier).

Wer gut redet, kann Argumente schlüssig
darlegen und den eigenen Standpunkt
selbstbewusst vertreten.

Was kann man tun, um die eigene Rhetorik zu verbessern? Wir haben 6 Experten gefragt!

UNSERE EXPERTEN

Doro Plutte hat für das ZDF, den NDR und Antenne 1 moderiert, sie gehört zum Autorenteam der ZDF-Sendereihe 37 Grad und ist als Event-Moderatorin aktiv. Außerdem leitet sie Seminare zu Präsentation und Kommunikation. Auf Youtube  veröffentlicht sie Tipps rund um Körpersprache, Stimme, Rhetorik und innere Haltung.

Thomas Friebe ist einer der bekanntesten Sprecher im deutschsprachigen Raum (u. a. „Wer wird Millionär?“, „Klein gegen Groß“, „sternTV“). Zu Anfang seiner Karriere litt Thomas Friebe unter extremer Mikrofonangst – heute hilft er Menschen dabei, ihre Auftrittsangst zu meistern.

Matthias Pöhm gilt als einer der besten deutschen Rhetoriktrainer und ist Veranstalter des härtesten Rhetorik-Seminars Europas – dem einzigen Seminar, bei dem die Teilnehmer vor über 100 Menschen trainieren müssen.

Isabel García ist Rednerin und Bestsellerautorin. Mit Ihrem Motto „Gut reden kann jeder“ zeigt sie jedermann, wie er sofort besser wirken kann. Sie wirft den Ballast vieler Rhetorikregeln über Bord und ermutigt, den eigenen Weg zu finden.

Michael Ehlers ist Rhetoriktrainer, mehrfacher Bestsellerautor und ein begnadeter Unterhalter. Als Experte wird er u. a. von Bild.de, WDR, RTL und dem Bayerischen Rundfunk zur Rhetorik von Politikern befragt und gibt auch Alltagstipps.

Hesse/Schader ist das führende Beratungsunternehmen für Bewerbung und Karriere in Deutschland sowie Seminaranbieter im Bereich Personalentwicklung. Getreu dem Motto “Erfolg haben. Mensch bleiben.” unterstützt das Unternehmen Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

 

 

 

 

 

5 Tipps für eine bessere Rhetorik im Job

1. Lerne zu atmen

Atmen?! Ist das nicht das Natürlichste und Einfachste auf der Welt? Klar, wir gehen davon aus, dass du weißt, wie man atmet 😉. Aber ertappst du dich auch manchmal dabei, dass dir mitten im Satz die Puste ausgeht? Oder es dir schwer fällt richtig durchzuatmen?
Meistens sind nämlich gar nicht die Stimmbänder Schuld an Sprechproblemen, sondern die Atmung. Ein untrainiertes Zwerchfell und zu flaches Einatmen sorgen dafür, dass vielen Menschen beim Sprechen die Puste ausgeht. Deshalb: Übe auch deutlich und akzentuiert zu sprechen.

 

EXPERTENTIPP:

Tipps zum Thema Atmung gibt Moderatorin und Sprechtrainerin Doro Plutte:

1.  Entscheidend für eine starke Stimme ist die richtige Atemtechnik. Und das bedeutet: Der Bauch muss mitmachen! Ist er zu stark angespannt – wegen Nervosität oder um möglichst schlank auszusehen – kannst du die Kraft für die Stimme nicht mehr aus der Tiefe nehmen. Dann klingen wir schwach, gepresst, zittrig, piepsig oder die Worte überschlagen sich. Also: Tief in den Bauch atmen, vor einem wichtigen Gespräch oder währenddessen, damit die Stimme ihr Potenzial entfalten kann!

2. Die beste Übung für eine deutliche Aussprache: Nimm einen Wein- oder Bastelkorken in den Mund, halte ihn mit deinen Schneidezähnen fest und versuche, in normaler Lautstärke (also nicht flüstern!) so deutlich wie möglich zu sprechen. Nach einer Minute nimmst du den Korken wieder aus dem Mund. Du wirst merken: deine Aussprache ist sofort klarer. Der Effekt hält etwa eine Stunde an, bei häufigem Üben wird deine Artikulation insgesamt besser.

3. Aufwärmen! Du willst deine Stimme für einen Auftritt oder ein wichtiges Gespräch aufwärmen? Drei kurze Übungen:

– Stell dir vor, du hast ein Bonbon im Mund und schiebst es mit deiner Zunge hin und her, so dass du deinen ganzen Mundraum von innen weitest.

– Gähne! Das dehnt deine Sprechwerkzeuge und verschafft dir mehr Raum zum Sprechen. Außerdem aktiviert es die Bauchatmung.

– Lass deine Lippen flattern. Das regt die Durchblutung an und macht dir das Sprechen leichter.

 
 
 

 

 

2. Trainiere deine Rhetorik und deine Haltung

Nachdem dein Mund und deine Stimmbänder aufgewärmt sind, geht es nun tatsächlich ans Sprechen. Wie sollte ich reden, damit meine Message so rüberkommt, wie ich es möchte?

EXPERTENTIPP:

Thomas Friebe ist einer der bekanntesten Sprecher im deutschsprachigen Raum (u. a. bekannt aus „Wer wird Millionär?“, „Klein gegen Groß“, „sternTV“). Seine Tipps:

Welcher Rhetoriktyp bist du? 1. Bla? 2. Bla-Bla? 3. Bla-Bla-Bla oder 4. Blablabla-bablablablablablaaaaaaaaa? Scherz. Es gibt gar keine Rhetoriktypen. Womit wir beim Thema sind:

1. Verwende eine präzise Sprache. Lass alle Wörter weg, die deine Botschaft verwässern. Dazu gehören Füllwörter, wie  „irgendwie“, „möglicherweise“, „eigentlich“, „letztendlich“, „vielleicht“.

2. Weniger reden – mehr fragen. Hast du erwartet, in diesem Artikel mehr darüber zu erfahren, wie du deine Redefähigkeiten verbessern kannst? Und jetzt heißt es: „weniger reden – mehr fragen“. Hat dich das überrascht? Du versuchst automatisch diese Fragen für dich zu beantworten. Dadurch bist du sehr aufmerksam. Interessant, oder?

3. Mach mal einen Punkt. Hörbar. Gute Rhetorik heißt nicht, ohne Punkt und Komma zu reden. Gute Rhetorik ist die Kunst zu überzeugen. Sprache ist dabei ein Teilbereich – ein wichtiger, aber nicht der einzige. WIE du etwas sagst, ist oft entscheidender, als WAS du sagst. Bekräftige deine Aussagen, indem du am Satzende mit der Betonung „heruntergehst“. Mache nach einer wichtigen Aussage eine kurze Pause.

4. Mach Dir Deine Haltung bewusst. Kurze Übung: Stell dir vor, du würdest dich selbst an einem Faden, der in der Mitte deines Kopfes befestigt ist, nach oben ziehen. Die Schultern bleiben gerade, ein Lächeln krönt deine „Aufrichtigkeit“, Du atmest tief in den Bauch. Schon während du diese kleine „Haltungskorrektur“ durchführst, spürst du eine positive Veränderung. Und nicht nur du selbst, auch deine Umwelt nimmt dich – wenn du dir diese Haltung zur Gewohnheit machst – präsenter und souveräner wahr. Interessant dabei: Durch das Lächeln verändert sich auch deine innere Haltung zum Positiven, das haben zahlreiche Studien nachgewiesen. In diesem Sinne: Keep smiling!

5. Mache nicht was alle machen, mache es besser und am Besten: anders! So überzeugst Du nachhaltig.

 
 
 

 

 

3. Präsentiere zielgerichtet

Was willst du genau sagen? Weißt du, worauf du am Ende hinaus möchtest? Und wie du dorthin kommst? Vor wichtigen Gesprächen und Vorträgen hilft es, wenn du dir einen Fahrplan machst und diesen verinnerlichst. Das gilt besonders, wenn du dazu neigst, gedanklich abzudriften oder ausschweifend zu werden.

Ob du lieber Stichpunkte auf einem Zettel machst, Karteikarten verwendest oder dich an deiner Powerpoint-Präsentation entlang hangelst, ist egal. Wichtig ist, dass der Plan steht, bevor dein Vortrag beginnt. Diese Vorbereitung sorgt auch dafür, dass du dich noch einmal bewusst mit dem Inhalt deiner Rede oder deines Vortrags auseinandersetzt und noch überzeugender rüberkommst.

EXPERTENTIPP:

Matthias Pöhm gilt als einer der besten deutschen Rhetoriktrainer. Sein Rat:

1. Die stehende Geste. Körpersprache ist wichtig: vor allem Gesten. Halten Sie eine Geste mindestens 3 Sekunden in die Pause aufrecht. Wenn Sie zum Beispiel mit zwei auseinander gehaltenen Händen zeigen, wie groß die Probleme, vor oder nach Ihrer Maßnahme sind, dann müssen diese zwei auseinander gehaltenen Hände mindestens 3 Sekunden in die Pause danach aufrecht erhalten werden. Man nennt das stehende Geste.

2. Problem statt Lösung. Sie erzeugen mehr im Problem, als in der Lösung. Wenn sie Menschen überzeugen wollen, Sprechen Sie zwei Drittel der Zeit vom Problem und nur ein Drittel von der Lösung. Das Problem muss so geschildert werden, dass es wie ein Schwert im Herzen der Zuhörer steckt.

3. PowerPoint überzeugt nicht. PowerPoint ist betreutes Lesen! Die PowerPoint-Folien lassen Sie am liebsten ganz weg, sprechen dafür lieber frei, oder aber sie benutzen den Flip-Chart. Wenn sie trotzdem eine Folie benutzen, dann soll darauf eine einzige Botschaft, ein Foto, eine Zahl sein… Und der Rest ist leere Fläche!”

 
 
 

 

 

4. Sprich selbstbewusst!

Um zielgerichtet zu sprechen, musst du selbstbewusst sein. Während ein wenig Aufregung vor einem Vortrag oder einem wichtigen Gespräch ganz normal ist, kann richtiges Lampenfieber dein Auftreten negativ beeinträchtigen. Lies jetzt, was du dagegen tun kannst:

EXPERTENTIPP:

Michael Ehlers ist Rhetoriktrainer, mehrfacher Bestsellerautor und ein begnadeter Unterhalter. Seine Tipps:

Dieter Thomas Heck, der legendäre deutsche Fernsehmoderator, Sänger und Schauspieler, meinte zu Lampenfieber: “Lampenfieber ist nichts anderes als die Achtung vor dem Publikum.” Und genau so sollten wir mit dem Thema auch umgehen.

Eine Methode gegen Lampenfieber, die sehr erfolgreich von Profi-Sportlern angewandt wird, ist die Selbstbejahung. Machen Sie sich bewusst, wie gut Sie über das Redethema Bescheid wissen. Sagen Sie sich das ruhig gedanklich immer wieder vor. Die Selbstbejahung führt dazu, dass die Synapsen in Ihrem Kopf die richtigen Schaltwege einlegen und den Weg zum Ja freimachen. Führen Sie sich positive Rede-Erlebnisse vor Augen. Vielleicht haben Sie erst vor kurzem einen guten Beitrag in einer Diskussion geleistet? Ein guter Einstieg in Ihre Rede hilft auch, Lampenfieber zu bekämpfen.

Tipps für einen guten Einstieg in Ihre Rede:

1.     Erzählen Sie eine Geschichte
2.     Schaffen Sie einen bildhaften Einstieg
3.     Präsentieren Sie eine Studie/ Statistik
4.     Starten Sie mit einer Demonstration
5.     Starten Sie mit einem Zitat oder Sinnspruch
6.     Aktivieren Sie das Publikum
7.     (Rhetorische) Frage
8.     Versprechen Sie einen Mehrwert
9.     Der spontane Einstieg
10.   Beginnen Sie mit dem Unerwarteten

5. Die richtige Betonung

In der Schule lernen wir, nicht wie ein Leierkasten zu lesen. Dass die richtige Betonung auch beim Sprechen zählt, ist vielen Menschen nicht bewusst. Im Alltag betonen wir nämlich automatisch richtig.

 

 

 

 

 

Aber: In Stresssituationen (Bewerbungsgespräch, Vortrag, erster Besuch bei den Schwiegereltern) lässt uns diese Fähigkeit manchmal im Stich. Das ist besonders ärgerlich, wenn es darum geht, wichtige Botschaften zu kommunizieren oder andere von sich zu überzeugen. Während manch einer dann tatsächlich zum Leierkasten mutiert, neigen andere dazu, jedes. Wort. zu. betonen. Auch das ist nicht zielführend, denn:

Wer alles betont, betont nichts.

Grundsätzlich sollten pro Satz nur ca. 1 – 2 Wörter betont werden (bei längeren Sätzen entsprechend mehr). Natürlich sollst du nicht alles, was du sagen möchtest, auswendig lernen. Aber überlege dir vorab, welche Aspekte wirklich wichtig sind und sorge dafür, dass diese nicht unter den Tisch fallen. Die bewusste Betonung kannst du beim Sprechen im Alltag üben.

(Wenn du dir blöd vorkommst, erzähl es deinem Dackel, der freut sich über alles, was du sagst. Wenn du keinen Dackel hast, rede mit dem Kühlschrank – der gibt zwar kein Feedback, lacht dich aber auch nicht aus.)

EXPERTENTIPP:

Isabel García ist Rednerin und Bestsellerautorin. Mit Ihrem Motto „Gut reden kann jeder“ zeigt sie jedermann, wie er sofort besser wirken kann. Ihr Tipp:Sie tappen in eine große Kommunikationsfalle, wenn Sie am Ende des Satzes Ihre Aussagen wie eine Frage betonen. Wenn Sie also ‘Ein besseres Angebot werden Sie nirgendwo finden?’ sagen und nicht ‚Ein besseres Angebot werden Sie nirgendwo finden.’ Punkt.Wir neigen dazu, dass wir die Stimme heben, wenn wir unsicher sind, viele Informationen in kurzer Zeit raus hauen möchten oder schon überlegen, was wir als nächstes sagen möchten.

Bleiben Sie beim aktuellen Satz. Und sprechen Sie ihn auf Punkt.

 
 

 

 

 

6. Aktiv sprechen, aktiv Zuhören – bleibe im Moment!

Kennst du das? Du sprichst gerade mit jemandem, bist aber in Gedanken schon drei Schritte weiter (oder auch ganz woanders) und verlierst plötzlich den Faden. Worauf wolltest du nochmal hinaus? Wichtige Botschaften auf diese Art und Weise zu kommunizieren, ist schier unmöglich.

EXPERTENTIPP:

Hesse/Schader ist das führende Beratungsunternehmen für Bewerbung und Karriere in Deutschland. Die Experten des Unternehmens raten:

Tipp 1: Durch aktives Zuhören signalisiert der Zuhörende sein Interesse, sein Gegenüber wirklich verstehen zu wollen. Es geht also nicht darum, was wir hören, sondern darum, zu verstehen, wie etwas gemeint ist. Aktives Zuhören sollte wohl dosiert und echt gemeint eingesetzt werden. Viele Menschen erleben es  als Wohltat, wenn sie wahrnehmen, dass Ihnen ernsthaft und geduldig zugehört wird.

Tipp 2: Fragen helfen uns, die Gedankenwelt unseres Gesprächspartners zu ergründen. Durch den geschickten Einsatz von Fragen erreichen Sie in der Regel eher Ihr Ziel und verbessern Ihre eigene Position für den weiteren Gesprächsverlauf. Offene Fragen (W-Fragen) laden Ihren Gesprächspartner zum Nachdenken und Sprechen ein. Geschlossene Fragen (Ja-/Nein-Fragen) hingegen lenken das Gespräch in eine bestimmte Richtung. Die Antwortmöglichkeiten sind in der Regel vorgegeben und damit kalkulierbar.

Deshalb: Erinnere dich immer wieder selbst daran, bewusst zu sprechen und dabei gedanklich im Hier und Jetzt zu bleiben. So kommunizierst du deine Botschaften zielgerichteter und dein Gegenüber fühlt sich ernstgenommen und wertgeschätzt. Höre bewusst zu und signalisiere durch Fragen, dass du die Situation ernst nimmst. Das gilt natürlich nicht nur im Job, sondern auch im Gespräch mit Freunden oder deinem/r Partner/in.

Du kannst also direkt anfangen zu üben!

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