Unfallversicherung vs. Berufsunfähigkeitsversicherung

Welche Versicherungsform ist die Richtige für mich? Wir erläutern Gemeinsamkeiten und Unterschiede

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Lesedauer: 4 Minuten

2020-06-03

Eine private Unfallversicherung unterstützt dich, wenn du nach einem Unfall dauerhaft gesundheitlich beeinträchtigt bist. Doch was, wenn du durch den Unfall deiner gewohnten beruflichen Tätigkeit nicht mehr nachgehen kannst? Wäre dann die Unfallversicherung überhaupt die richtige Wahl? Oder bietet sich da eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) nicht eher an? Zu entscheiden, welche Versicherung zu deiner individuellen Situation am besten passt, ist gar nicht so einfach. Wir unterstützen dich dabei und stellen dir beide Versicherungen im Vergleich vor.

Unfallversicherung oder BU – was macht den Unterschied?

Auf regennasser Straße bist du mit deinem Wagen ins Schleudern geraten und unschön mit einer Überschlagung im Graben gelandet. Dabei wurde dein rechter Arm eingeklemmt und ist nach einigen OPs und einer langen Reha-Phase jetzt nur noch eingeschränkt beweglich. Für dich als Schreinerin ist das fatal, weil du jetzt nicht mehr wie gewohnt arbeiten kannst und gezwungen bist, deinen Beruf zu wechseln. Sowohl die Unfallversicherung als auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung zahlen in diesem Fall. Aber welche Unterschiede gibt es zwischen den Versicherungsarten? So einige!

Wie umfassend ist der Schutz?

Die BU gilt als das Nonplusultra in Sachen Versicherungsschutz bei krankheitsbedingtem Arbeitsausfall. Ihr großer Vorteil: Egal, was die Ursache dafür ist, dass du deinen Job nicht mehr antreten kannst – ab einem halben Jahr Arbeitsunfähigkeit unterstützt dich die Berufsunfähigkeitsversicherung finanziell. Einzige Bedingung: du bist durch deine gesundheitliche Situation zu mindestens 50 Prozent eingeschränkt darin, deine aktuelle Arbeit auszuüben. Ein Chirurg, der nach einem Schlaganfall Gefühlsstörungen in der rechten Hand hat, wird nicht mehr operieren können. Und auch ein Manager mit erheblichen psychischen Problemen ist so den Belastungen seines Jobs nicht mehr gewachsen. Dazu braucht es in den meisten Fällen keinen Unfall. Im Gegensatz zur Unfallversicherung deckt die Berufsunfähigkeitsversicherung also deutlich mehr Risiken ab. Bei 90 Prozent aller Betroffenen resultiert die Arbeitsunfähigkeit aus einer Krankheit. Nur knapp 10 Prozent geben als Ursache einen Unfall an.

Die Unfallversicherung ist eher eine Versicherung für den Extremfall: Sie schützt dich, wenn dir ein Unfall passiert, mit dessen Folgen du langfristig zu tun haben wirst. Und auch bei einer geringen Invalidität, die dich womöglich nicht zu 50 Prozent am Arbeiten hindert, leistet sie. Die Unfallversicherung ist dennoch kein Ersatz für eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Auf den Punkt gebracht: In den meisten Fällen, in denen eine Unfallversicherung zahlt, zahlt auch die BU. Aber umgekehrt gilt das nicht.

Du hast Interesse, eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen? Sprich mit einem unserer Experten, die dich Schritt für Schritt beim Vertragsabschluss begleiten:

Trotz der klaren Überlegenheit in puncto abgedeckter Risiken gibt es an der Berufsunfähigkeitsversicherung aber auch ein paar Haken:

Guter Schutz ist teuer

Die Berufsunfähigkeitsversicherung deckt zwar weitaus mehr Risiken ab – diesen umfassenden Schutz lassen sich die Anbieter aber auch bezahlen. Was treibt die Versicherungsprämie (das ist der monatliche Beitrag, den du deiner Versicherung zahlst) in die Höhe? Wie auch bei der Unfallversicherung wählt der Kunde, wieviel Geld er von der Versicherung im Schadensfall maximal bekommt. Wer hier eine höhere Berufsunfähigkeitsrente oder bei der Unfallversicherung eine hohe Auszahlungssumme wählt, für den wird es dann auch schnell teurer. Bei der BU legst du außerdem fest, bis zu welchem Alter du die Rente beziehen möchtest. Eine Auszahlung bis ins hohe Alter zu veranschlagen geht ins Geld. Wer sich statt bis zum 67. nur bis zum 65. Geburtstag die Berufsunfähigkeitsrente zahlen lässt, spart schon 15 Prozent. Ein paar Jahre machen hier also schon deutlich etwas aus.

Der Preis für eine Unfallversicherung oder eine BU ist außerdem abhängig davon, ob der Beruf, den du ausübst, als potentiell riskant eingestuft wird. Handwerker, Techniker, Installateure, Landwirte – wer vor allem mit seinem Körper arbeitet, zahlt für beide Versicherungen mehr. Ein Schreibtischjob ist einerseits weniger riskant und kann andererseits auch noch mit einigen körperlichen Einschränkungen ausgeübt werden. Darum sind BU und Unfallversicherung etwa für Ärzte, Verkäufer und alle, die im Wesentlichen im Büro arbeiten, günstiger.

Nicht nur bei einigen Berufen, sondern gerade auch in der Freizeit ist je nach Hobby voller Körpereinsatz gefragt. Und auch das interessiert deinen Versicherer. Du holst dir gerne mal eine gute Portion Adrenalin ab, indem du mit dem Kajak ein wildes Gewässer durchkämpfst? Oder bist du bekannt für deine mutigen Snowboard-Stunts? Je nach Anbieter kann es dir passieren, dass du als Extremsportler saftige sogenannte Risikozuschüsse für deine BU zahlen musst. Welcher Anbieter dabei welche Aktivität als wie gefährlich einstuft, kann stark variieren. Wenn du dir hier unsicher bist, lohnt sich vielleicht eine anoyme Risikoanfrage. Mit Aufschlägen musst du außerdem rechnen, wenn du vor Abschluss deiner BU mit gesundheitlichen Problemen wie zum Beispiel Bluthochdruck, Neurodermitis oder einem Rückenleiden zu tun hast oder hattest. Eine Rolle für die Höhe der Prämie spielt auch, ob du rauchst oder nicht. Im Zweifelsfalle wirst du sogar wegen Vorerkrankungen oder deiner Freizeitgestaltung für den Abschluss einer BU vom Versicherer abgelehnt. Und damit wären wir auch schon beim nächsten Manko.

Versicherungsschutz als Privileg? Eine Berufsunfähigkeitsversicherung bekommt nicht jeder

Von der Unfallversicherung und der BU gleichermaßen ausgeschlossen sind ein paar wenige Berufe wie Stuntman, Berufstaucher, Leistungssportler oder Artisten. Abgesehen davon kann potentiell jeder und jede eine Unfallversicherung abschließen.

Bei der BU können hingegen auch noch weitere Faktoren zum Ausschluss vom Versicherungsschutz führen: Einige Vorerkrankungen wie HIV, Rheuma oder Krebs bedingen, dass du von der Berufsunfähigkeitsversicherung ausgeschlossen wirst. Du warst im Zeitraum von fünf Jahren vor Versicherungsabschluss in psychologischer Behandlung? Dann wird dich der Versicherer für eine BU höchstwahrscheinlich ablehnen. Warum ist das so? Depressionen und Burnout sind die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit. Um all diese Dinge über dich herauszufinden, müssen Versicherer, die eine BU anbieten, dich ganz schön ausfragen. Das machen sie über eine sogenannte Gesundheits- und Risikoprüfung.

Für den Abschluss einer Unfallversicherungen spielen Vorerkrankungen eine weniger große Rolle. Darum musst du sie bei Getsafe auch nicht angeben. Für den Fall, dass du einen Unfall hast, bei dem eine Vorerkrankung mitwirkt, reduziert sich allerdings die ausbezahlte Schadensumme.

Wenn du keine BU abschließen kannst oder willst, ist die Unfallversicherung als ‘kleine Schwester’ der BU ein erster Schritt der Absicherung. Und die Unfallversicherung hat auch eine klare Stärke: Sie zahlt dir nach einem Unfall eine hohe Sofortleistung. Das kommt dir besonders zugute, falls es nach einem Unfall erforderlich ist, deine Wohnung behindertengerecht umzubauen und etwa einen Treppenlift zu installieren. Weitere Kosten, die ad hoc auf dich zukommen können, etwa für den Rettungseinsatz oder kosmetische Operationen, übernimmt die Unfallversicherung ebenso.

Du bist nun überzeugt, die Unfallversicherung ist das Richtige für dich? Hier kannst du sie in nur wenigen Minuten abschließen:

Ist eine Kombination von BU und Unfallversicherung sinnvoll?

In zwei Fällen kann es durchaus Sinn machen, sowohl eine Berufsunfähigkeitsversicherung als auch eine Unfallversicherung abzuschließen: Du willst dich vollumfänglich absichern und nach einem Unfall sowohl eine hohe Einmalleistung als auch eine monatliche Rente erhalten? Dann lohnt sich für dich der Doppelschutz.

Gerade Extremsportler müssen mit einem horrenden Aufpreis rechnen, wenn sie in der BU ihr Hobby mit absichern wollen. Dir ist das zu teuer? Dann lagere doch einfach den Schutz für deine Freizeit aus und schließe noch eine Unfallversicherung ab. In der Kombination kommst du damit insgesamt womöglich günstiger weg.

Auch unabhängig von deiner Freizeitgestaltung kann es sich lohnen, dich nach Vergünstigungen kundig zu machen. Bei einigen Anbietern kann sich eine zusätzlich abgeschlossene Unfallversicherung positiv auf den Tarif auswirken.

Oder vielleicht ganz was anderes?

Die Berufsunfähigkeits- und Unfallversicherung kommen für dich beide nicht in Frage? Vielleicht wirst du trotzdem noch fündig: Neben der Berufsunfähigkeitsversicherung und der Unfallversicherung gibt es auch einige weitere Angebote auf dem Versicherungsmarkt, die im Kontext von Unfällen und Krankheiten einen Schutz anbieten. Hier findest du eine Übersicht über alle Alternativen.

Du bist dir immernoch unsicher, welche Versicherung die richtige für dich ist? Lass dich persönlich von einem Experten beraten:

Autor: Carina