Wir bei Getsafe – Patrick, VP Product

Ich glaub ich bin der glücklichste Mensch der Welt, denn es haben sich parallel zwei große Lebenschancen für mich ergeben!

12.12.2018
Carla
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Patrick, du bist der Head of Product bei Getsafe – was ist deine Vision?

Wenn ich darüber nachdenke, wie Versicherungen in der Welt entstanden sind, bevor es Software- oder Finanz-Engineering gab, stelle ich mir diese Geschichte einer Gemeinschaft von Bauern vor, die sich alle von ihrer Ernte ernährten. Sobald einem von ihnen ein Unfall oder eine Katastrophe passiert ist, haben alle anderen etwas von ihrer Ernte abgegeben, damit niemand verhungerte. Im Laufe der Zeit wurde klar, dass die Gemeinschaft das benötigte, was wir heute „Risikoverteilung“ nennen. Dies ist eigentlich nur eine ausgefallene Art zu sagen, dass der Gemeinschaft erlaubt wird, ihren Mitgliedern zu helfen sich von Katastrophen zu erholen. Ich kann mir vorstellen, dass sich diese Geschichte zu etwas Formellem entwickelt hatte, in der sich nun alle Bauern bereit erklärt hatten, jeden Monat Lebensmittel in eine Lebensmittelbank zu deponieren. Die Idee dahinter war, dass sie als Notfallversorgung dienen würden, wenn etwas Schlimmes passieren würde. Dann entwickelte sich das zu einem Unternehmen, das dem ähnelt, was wir heute Versicherungsgesellschaften nennen.

Die Frage ist also, wie sind wir von einem so edlen und wohlwollenden Ursprung zu einer Welt gekommen, in der Versicherungsgesellschaften als schmierige, verkaufsorientierte Unternehmen angesehen werden, die nur versuchen, so viel Geld wie möglich zu verdienen?

Für mich gibt es eine sehr große Lücke zwischen diesem Ursprung und dem, was heute geschieht. Wir wollen die Versicherung wieder zu ihren Ursprüngen zurückführen. Unsere Vision ist es, die Versicherung neu zu erfinden und es den Menschen zu vereinfachen, zu verstehen, wie sie in ihr Leben passt und warum sie gut für ihre Gemeinschaft ist.

Sehr interessante Sichtweise. Was hat dich also nach Deutschland gebracht?

Ich glaub ich bin der glücklichste Mensch der Welt, denn es haben sich parallel zwei große Lebenschancen für mich ergeben! Ich habe meine Freundin während eines Tauchgangs im Great Barrier Reef in Australien kennen gelernt. Sie ist gelernte Hebamme in Heidelberg, und wir hatten etwa anderthalb Jahre lang eine Fernbeziehung. Nach ein paar Monaten begannen wir zu überlegen, wie wir nicht mehr so weit voneinander entfernt sein könnten. Als die erstaunliche Frau, die sie ist, suchte sie nach Jobs für mich und stolperte über eine Öffnung bei Getsafe. Ich entschied mich, das Team zu treffen und war überzeugt, dass dies eine großartige Gelegenheit war, mich einer Gruppe talentierter, leidenschaftlicher Menschen anzuschließen, die versuchen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Es ist ein wahrer Segen, dass meine persönlichen und beruflichen Ziele so nahtlos aufeinander abgestimmt sind!

Was ist der Unterschied zwischen der Denkweise einer Person aus Seattle und einer Person aus Heidelberg?

Seattle hat sich wirklich zu einer bedeutenden Technologiestadt entwickelt. Microsoft und Amazon haben dort ihren Hauptsitz, und Silicon Valley-basierte Unternehmen wie Google, Facebook, Airbnb und Uber haben alle große Außenstellen in der Stadt eingerichtet. Ich habe zum Beispiel vor meiner Zeit bei Getsafe in Ubers Büro in Seattle gearbeitet und sie investieren viel in den Ausbau ihrer Präsenz in Seattle. Während das für die lokale Wirtschaft, die Tech Community und Start-ups großartig ist, kann es sich für Menschen, die ein vielfältigeres soziales Netzwerk suchen, etwas eindimensional anfühlen. Heidelberg hat eine andere Demografie und ist zudem sehr international. In meinen Abendkursen zum Beispiel besteht unsere Klasse von etwa einem Dutzend Ausländern und Studenten aus fünf verschiedenen Kontinenten.

Was die Technik betrifft, so ist die US-Kultur eher etwas „flauschiger“. Es wird viel Wert darauf gelegt, grandiose Visionen und Geschichten zu artikulieren, aber oft kann die Ausführung bruchstückhaft und manchmal schlampig sein. Hier sehe ich Ingenieure, die viel Wert auf die „innere Schönheit“ des Produkts legen, um sicherzustellen, dass die Dinge gut gebaut und zuverlässig sind, aber das hat natürlich auch seinen Preis. Ich denke, wir können uns bemühen, ein gewisses Gleichgewicht zwischen den beiden Extremen zu erreichen. Um die Welt zu verändern, müssen wir verrückt genug sein, um zu glauben, dass wir das können, und das dann mit der richtigen Ausführung fortsetzen.

Apropos Extreme – was ist dein einzigartiges Verkaufsargument?

Ich denke, ich bringe einige neue Perspektiven zu Getsafe und hoffentlich auch für die Heidelberger Tech-Szene. Ich bin in Taiwan aufgewachsen und habe in Seattle meine technischen Grundlagen gelernt. Ich habe auch in Australien gelebt und bin in meinen Zwanzigern ein gutes Stück gereist. Bei all diesen Abenteuern habe ich viel darüber gelernt, wer ich bin und auch Anerkennung für Menschen aus verschiedenen Kulturen gewonnen. Ich glaube fest daran, dass die Kombination dieser Lektionen und Erfahrungen uns helfen wird, ein Weltklasse-Team aufzubauen und ein einzigartiges Produkt zu liefern.

Denkst du die Erde ist flach?

Ich denke, die Erde ist flacher. Obwohl ich im Allgemeinen zustimme, dass die Technologie es mehr Menschen ermöglicht hat, mehr Möglichkeiten zu haben, ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass nicht jeder am selben Ort angefangen hat. Ich bin sehr glücklich, dass ich von unterstützenden Eltern aufgezogen wurde, die ihren Kindern Nahrung, Unterkunft und Bildung boten. Ich habe auch in meiner Vergangenheit nicht viel krasse Diskriminierung erlebt. Auch wenn diese Dinge einfach klingen mögen, können wir sie nicht als selbstverständlich betrachten. Viele Menschen in der heutigen Welt können sich nicht konsequent auf diese zu erfüllenden Grundbedürfnisse verlassen, und wir alle sollten dieser Realität mitfühlen.

Danke für deine Zeit, Patrick!

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