Die Qual der Wahl: Auto, Fahrrad, Bahn – wie komme ich zur Arbeit?

Zur Arbeit müssen wir alle - lies hier, welche Möglichkeiten du hast.

22.05.2018
Violetta

Kennst du das? Deinen Wecker hast du am Morgen viel zu oft weggedrückt – das Bett war einfach zu gemütlich und die Motivation aufzustehen einfach zu klein. Du läufst ins Bad und dein Blick streift die Uhr…in 10 Minuten musst du los!!! Purer Stress bricht aus, du springst halbfertig angezogen und mit knurrendem Magen ins Auto, rast los und….steckst zur Rushhour im Berufsverkehr fest. Und so beginnt der Stress schon vor der Arbeit.

Die Wenigsten haben das “Glück” nah an ihrem Arbeitsplatz zu wohnen. Jeder 5. Deutsche verbringt täglich 30 bis 60 Minuten damit, zur Arbeit zu gelangen. Viele Berufstätige wohnen außerhalb der Städte und brauchen dementsprechend lange für den Weg zur Arbeit. Je länger der Weg ist, desto anfälliger ist dieser für Störungen im Verkehrsfluss. Unvorhersehbare Staus und jede Menge Baustellen machen über 15 Millionen Berufspendler in Deutschland wütend. Und zwar egal, ob im Auto, in der Bahn oder auf dem Rad.

Unsere Lebenssituationen sind individuell: Die einen wohnen auf dem Land, haben keinen größeren Bahnhof in der Nähe und sind somit auf ein Auto angewiesen. Andere stehen sich jeden Tag die Beine in den Bauch, wenn sie zur Rushhour mit der Straßenbahn zur Arbeit fahren. Es gibt viele Möglichkeiten, den Weg zur Arbeit zu bestreiten. Lies hier, was die Vor- und Nachteile der einzelnen Verkehrsmittel sind und wie du deine Zeit besser nutzen kannst.

Auto

Ganze ⅔ der deutschen Arbeitnehmer fahren tatsächlich mit dem Auto zur Arbeit. Damit ist das Auto das beliebteste Verkehrsmittel. Was es so attraktiv macht? Die (vermeintliche) Flexibilität. Wenn es abends mal länger wird und die Bahn nur noch in unregelmäßigen Abständen fährt, bist du so einfach unabhängiger. Hast du mal verschlafen und dadurch die Bahn verpasst, ist das Auto deine Rettung. Du sparst dir den Weg zum Bahnhof und vor allem den Weg vom Bahnhof zur Arbeit. Du kannst direkt vorfahren. Klingt doch entspannt, oder?

Nicht ganz – immerhin stehen Autopendler rund 58 Stunden pro Jahr im Stau! Und der stellt die Nerven langfristig ganz schön auf die Probe: die Fahrweise der Anderen und die Aussichtslosigkeit, wenn man mal tief in einem Stau feststeckt. Stauforscher haben herausgefunden: je mehr Zeit Verkehrsteilnehmer im Auto verbringen, desto schlechter ist ihre mentale Verfassung. Lange Strecken bergen natürlich häufiger Verkehrsstörungen, als kurze. Doch oftmals haben diejenigen unter uns, die nicht so zentral wohnen, gar keine andere Möglichkeit zur Arbeit zu kommen, als mit dem Auto. Und so kommt es, dass man wohl oder übel einige Stunden in den fahrbaren 4 Wänden verbringt. Ein Nachteil beim Autofahren ist sicherlich die geringe Möglichkeit, sich zu beschäftigen/an Beschäftigungsmöglichkeiten. Viele Pendler empfinden deshalb die lange Fahrerei (und natürlich auch das Feststecken im Stau ;-)) als absolute (Lebens-) Zeitverschwendung. Für Abwechslung sorgen da jedoch nur Dinge, die die Konzentration auf den Verkehr nicht vereinnahmen/beanspruchen.

Übrigens nutzen mehr Männer als Frauen das Auto, um zur Arbeit zu gelangen. Was die Autofahrt verbessert: Fahrgemeinschaften bilden. Das ist gut für die Umwelt, kostengünstiger, weil man den Benzinverbrauch teilen kann und fördert soziale Beziehungen. Und ganz ehrlich: zu zweit lässt sich jeder Stau besser aushalten.

Fahrrad

Der gute alte Drahtesel: Für kürzere Strecken (bis 10 km) ist das Fahrrad eine beliebte Alternative bei vielen Arbeitnehmern. Warum? Man spart nicht nur Sprit für das Auto oder Geld für das Jobticket, man hat auch gleich seine Sporteinheit für den Tag integriert. Der Fahrtwind pustet dir morgens durch das Gesicht und macht dich richtig wach – so kommst du nicht nur frisch und vital am Arbeitsplatz an, auch dein Arbeitgeber profitiert von deiner Leistungsfähigkeit am Morgen. Wer übrigens kein eigenes Fahrrad hat, muss trotzdem nicht auf die zerzausten Haare verzichten: nextbike funktioniert nach dem Sharing-Prinzip. Du kannst dir einfach ein Fahrrad leihen, wenn du es brauchst und es danach wieder abstellen. Unternehmen können sogar Freikarten für ihre Mitarbeiter erwerben und entlasten somit die städtische Infrastruktur. Einem spontanen Ausflug in der Mittagspause zum nächsten Fluss oder Park steht also nichts mehr im Wege :-).

Fahrradfahrer sparen sich zudem Wartezeiten auf Bus oder Bahn, sind flexibel und verursachen keine Abgase oder Lärm. Gerade zu den ungemütlicheren Jahreszeiten bringt das Radeln jedoch weniger Spaß – nicht selten kommt man im November klatschnass am Office an und schätzt bei all dem Übel auch die sportliche Betätigung nicht mehr. Dennoch: regelmäßiges Fahrradfahren auch bei unangenehmen Wetter sorgt für ein gutes Immunsystem!

Einige Arbeitgeber haben die vielen Vorteile des Fahrradfahrens bereits erkannt und bieten ihren Mitarbeitern ein Jobrad an. Arbeitnehmer können sich ein Fahrrad oder E-Bike aussuchen und zahlen dafür eine kleine Leasingrate, was deutlich günstiger, als ein Direktkauf ist. „Warum wir mit dem Rad zur Arbeit fahren? Keine Staus, keine lästige Parkplatzsuche – und dafür jeden Tag frischen Wind um die Nase! Im Alltag regelmäßig aufs Rad zu steigen ist nicht nur gut für die Fitness – auf Strecken bis zehn Kilometer sind Fahrräder und E-Bikes oft auch das schnellste Verkehrsmittel und damit ideal für Berufspendler. Mit einem Jobrad sparen Mitarbeiter gegenüber einem Direktkauf deutlich, alle Fahrradtypen und -marken sind möglich“, sagt Tassilo Holz von JobRad.

Zu Fuß

Wenige Menschen wohnen fußläufig zu ihrer Arbeit. Doch die, die es tun, laufen lieber zur Arbeit, als in Bus, Bahn oder Auto zu steigen. Ähnlich wie beim Radfahren hat man keine Verkehrsbehinderungen, die Stau verursachen, zu erwarten und man muss auch nicht drei Mal um den Block fahren, um einen Parkplatz zu finden. Übrigens verbrennt man bei einem 20-minütigen Spaziergang 100 Kalorien und kann sich so auch mal das Fitnessstudio sparen😊.

Wer läuft, spart am allermeisten: kein Verschleiß an Rad oder Auto und keine Ausgaben für Zugtickets.
Und: Hast du mal einen schlecht gelaunten Berufs-Fußgänger gesehen? Das sollte auch eher die Seltenheit sein, denn: Durch die Bewegung werden Glückshormone wie Serotonin und Endorphin freigesetzt, die für eine entspanntere Grundstimmung sorgen. Und wer kennt nicht die altbekannte Empfehlung, eine Runde um den Block zu laufen, um die Gedanken zu sortieren? Wissenschaftlich bewiesen ist übrigens, dass sich das Laufen auf den Ideenreichtum auswirkt und die Produktivität fördert. Und nicht nur der Kopf freut sich über die Frischluft: auch der Gesundheit kommt das Laufen bekanntlich zugute.

Öffentliche Verkehrsmittel

Komisch, aber wahr: die öffentlichen Verkehrsmittel sind oftmals die letzte Wahl der deutschen Berufspendler. Gründe dafür sind zum Beispiel oftmals lange Wartezeiten oder Zugausfall, überfüllte Bahnen oder ungünstige Zugverbindungen. Gerade auf stark frequentierten Strecken müssen viele Pendler in den Gängen der Straßenbahnen stehen. Vor allem zu sommerlichen Höchsttemperaturen kann das schon direkt am Morgen zur Stressfalle werden.

“Liebe Fahrgäste, der vor uns befindliche Streckenabschnitt ist noch durch einen anderen Zug belegt. Bitte haben Sie etwas Geduld. Wir setzen die Fahrt in Kürze fort” – solche Ansagen lassen viele Pendler fluchen. Wer mehrfach umsteigen muss, ist einem höheren Risiko ausgesetzt, eine Anschlussverbindung nicht zu erwischen. Und dann heißt es: warten. Man verpasst Termine, kommt zu spät und erreicht die Arbeit mit einem viel zu hohen Blutdruck. Passiert ähnliches auf dem Heimweg, wird der wohlverdiente Feierabend ebenfalls mit Wut und Ärger eingeläutet. Ganz klar: ein solcher Zustand macht auf Dauer unglücklich.

Doch es muss nicht so kommen: Psychologen raten Berufstätigen sogar dazu, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen und die Vorteile darin zu sehen. Denn die Zeit, die man im Zug verbringt, kann man sinnvoll nutzen und sich dabei sogar entspannen: sich informieren, was in der Politik vor sich geht, den spannenden Thriller weiterlesen, eine Fremdsprache lernen oder die Lieblingsserie weitergucken. Das alles sind Rituale, die man fest in seinen Pendleralltag einbauen, sich darauf regelrecht freuen und mit ihnen abschalten kann.

Marc Frewert verbringt täglich bis zu vier Stunden (!!) in der Bahn und zieht daraus vor allem positive Schlüsse: denn in der Bahn hat er Zeit für sich. Seine Tipps zum Zeit- und Selbstmanagement gibt er in seinem Blog weiter. Nach einem stressigen Arbeitstag kann er sich im Zug erholen, den Tag nochmal Revue passieren lassen und sich Zuhause voll und ganz seinem Privatleben widmen. Und falls doch mal nicht alle To Dos im Büro erledigt werden konnten, eignet sich eine lange Bahnfahrt prima, um sie effizient zu nutzen.

Übrigens legen selbst diejenigen, die einen begehrten Sitzplatz ergattert haben, mehr Schritte zurück, als andere Pendler: über die Fußwege von Bahnhof zur Arbeit oder von Gleis zu Gleis (und für die ganz sportlichen noch die Wahl der Treppe 😉 ) freut sich der Körper.

Fazit: Manchmal können wir uns unser Wunsch-Verkehrsmittel nicht aussuchen. Aber das Wichtigste ist, dass wir jenes wählen, das uns den Weg zur Arbeit so angenehm wie möglich macht. Wer schon gestresst morgens zur Tür reinkommt, ist an dem Tag kein angenehmer Arbeitskollege und auch die Produktivität bzw. Kreativität leidet darunter. Die Zeit, die man mit Pendeln verbringt, muss nicht automatisch vergeudete Zeit sein: Nutzt den Weg, um euch mal wieder bei eurer Familie zu melden oder lernt Vokabeln für den Spanischkurs. So habt ihr die Zeit, die euch dann Zuhause bleibt, ganz für euch.

We use cookies to give you the best, most relevant experience.

Here you can read our terms.