Vom Schreibmuffel zum Schreibprofi – wie ihr eine gute Abschlussarbeit schreibt

Gute Abschlussarbeiten fallen nicht vom Himmel. Wir haben für euch die wichtigsten Tipps

The office
2019-02-04
Lydia
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Wissenschaftliches Schreiben ist ziemlich komplex und erfordert viel Disziplin. Gute Texte fallen nicht vom Himmel – sie werden gemacht, und das ist leider ziemlich mühsam. Damit euch eure Haus- oder Abschlussarbeit besser gelingt, haben wir die wichtigsten Punkte für euch zusammengetragen.

13 Tipps zum wissenschaftlichen Schreiben

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Das gilt – leider – auch fürs Schreiben. Hier findet ihr die 13 wichtigsten Tipps, damit eure wissenschaftliche Arbeit ein voller Erfolg wird. In diesem Sinne: Frohes Schreiben und gutes Gelingen.

Formuliert eine klare Fragestellung

Das ist vielleicht der schwierigste Schritt, denn ihr müsst euch auf ein Thema festlegen, ohne genau einschätzen zu können, ob es etwas taugt. Das erfordert Mut. Wie man eine gute Fragestellung findet, lässt sich leider nicht pauschal beantworten – oft ergibt es sich aus Interesse, manchmal nach Recherchen und oft aus Zufall. Wichtig ist vor allem eines: Mit einem Thema allein ist es noch nicht getan, ihr braucht eine Fragestellung, denn jede Frage verlangt eine Antwort. Mit einer Frage im Kopf wird es euch leichter fallen, einen roten Faden und geeignete Quellen zu finden und euch vor allem nicht zu verzetteln. Mehr dazu lest ihr im nächsten Blogbeitrag.

Lest, lest, lest noch mehr

Damit ihr ein Gefühl dafür bekommt, was gute wissenschaftliche Texte in eurem Fach ausmacht, hilft es, wenn ihr Fachtexte lest. Und zwar nicht nur wegen ihrem – sicher spannenden – Inhalt, sondern auch, um zu verstehen, wie solche Texte aufgebaut sind. Wie wird in eurer Disziplin argumentiert? Wie zitieren andere Wissenschaftler? Was ist üblich und was nicht? Je mehr ihr Texte von anderen Wissenschaftlern lest, umso sicherer wird euer Gespür dafür, wie diese Texte funktionieren.

Arbeitet nicht gegen, sondern mit eurem Betreuer

Euer Betreuer ist euer Freund, nicht euer Feind. Er benotet zwar die Arbeit, aber er hat selbst kein Interesse daran, dass sie schlecht wird. Denn schlechte Texte bedeuten einen viel größeren Korrekturaufwand. Klärt also von Anfang an die Rahmenbedingungen. Welche Erwartungen hat der Betreuer? Worauf legt er Wert? Nach welchen Kriterien benotet er? Welche Art der Betreuung wünscht ihr euch und ist der Betreuer bereit, sich darauf einzulassen? Mit welchen Fragen und wie oft dürft ihr zu eurem Betreuer kommen? Wenn ihr diese Eckpunkte von Beginn an klärt, habt ihr es später sehr viel leichter.

Macht euch einen groben Zeitplan

Jeder kennt das: Man nimmt sich morgens etwas vor, ist super motiviert und setzt sich an den Schreibtisch, und zehn Minuten später signalisiert das Handy, dass eine neue Nachricht wartet. Anstatt das Handy zu ignorieren, antwortet man gleich, googelt bei der Gelegenheit gleich noch das Kinoprogramm, liest einige Filmrezensionen und bleibt zuletzt bei Spiegel online hängen. Ehe man sich versieht, ist eine Stunde um und die Motivation dahin. Damit das nicht passiert, haltet euch an einen Zeitplan, der feste Pausen vorsieht. Wie das geht, erfahrt ihr in einem der nächsten Beiträge.

Legt euch ein System zu, um die Literatur zu sammeln und auszuwerten

Egal, was für eine Arbeit ihr schreibt, braucht ihr wissenschaftliche Quellen als Basis. Legt euch frühzeitig ein System an, um mit der Fülle an Material umzugehen. Nicht jede Quelle ist ein guter Treffer; nicht jeder Text für euch relevant. Erlaubt ist jedes System, das für euch funktioniert. Das können physisch greifbare DIN-A4-Ordner oder virtuelle Ordner auf dem PC ebenso gut sein wie Literaturverwaltungssoftware, handschriftliche Notizen, Exceltabellen, bunte Post-it-Zettel oder große Mind Maps. Hauptsache, ihr lest die Texte nicht nur, sondern haltet die wichtigsten Aussagen schriftlich fest. Andernfalls ist das Vergessen vorprogrammiert.

Erzählt eine Geschichte

In jeder Abschlussarbeit steckt eine Geschichte. Und wie jede gute Geschichte hat auch eure Geschichte eine Pointe – auf diese schreibt ihr hin. Der Weg zur Pointe sieht in etwa so aus: Es gibt ein interessantes Thema, über das bereits einiges geschrieben wurde. Allerdings gibt es einen Aspekt, den die Wissenschaftler bislang noch nicht, zu wenig oder mit anderen Methoden und Daten erforscht haben. Mit eurer Arbeit wollt ihr diese Forschungslücke schließen. Beim Schreiben werdet ihr merken, dass die Geschichte etwas komplizierter ist als ihr dachtet. Das macht nichts. Wesentlich ist an dieser Stelle, dass ihr anfangt. Unklarheiten oder Formulierungen könnt ihr nachträglich ändern.

Sucht den roten Faden

Der rote Faden ist das Herzstück eurer Arbeit und hält die einzelnen Kapitel zusammen. Macht dem Leser klar, warum er seine Zeit dafür investieren sollte, das jeweilige Kapitel zu lesen. Warum steht das Kapitel an dieser Stelle im Text und wie hängt es mit den vorherigen und den nachfolgenden Kapiteln zusammen? Wenn ihr einzelne Sätze, Textabschnitte und Kapitel aufeinander bezieht, ist dies ein guter Indikator für einen stimmigen roten Faden – und damit für eine gute Geschichte.

Zitiert

Eine wissenschaftliche Arbeit ohne Zitate ist wie ein Schwimmbad ohne Wasser: Es erfüllt nicht die Erwartungen. Wer ins Schwimmbad geht, will keine Trockenübungen auf kalten Fliesen machen, und wer eine wissenschaftliche Arbeit liest, interessiert sich nicht für eure persönliche Meinung, die nicht auf Quellen gestützt ist. Quellenarbeit ist daher das Fundament eures Textes.

Denkt vom Leser her

Nicht euch muss der Text gefallen, sondern euren Lesern. Im Zweifelsfall ist das zwar nur der Betreuer – dennoch solltet ihr klar vor Augen haben, wer eure Zielgruppe ist. Soll ein Kommilitone eure Arbeit verstehen können? Dann dürft ihr mehr Wissen voraussetzen als bei einem interessierten Laien. Oder schreibt ihr für ein Fachpublikum? Macht es euch zur Gewohnheit, aus Sicht eurer Leser zu denken. Anstatt „Was will ich als Autor in dem Text sagen?“ solltet ihr immer fragen „Was muss der Leser wissen, um meine Botschaft zu verstehen?“

Wenn es mit dem Schreiben nicht klappt: Sucht euch rechtzeitig Hilfe

Fast jeder Studierende und übrigens auch jeder Dozent kennt das ungute Gefühl, mit dem Text, der Mathematik oder der Datenauswertung nicht weiterzukommen. Das ist ganz normal. Wenn ihr allerdings längere Zeit auf der Stelle tretet und erste Anflüge von Angst oder Panik bekommt, solltet ihr euch Hilfe suchen – bei Familie und Freunden, beim Betreuer oder bei professionellen Beratungsstellen der Unis. Denn Probleme beim Schreiben zu haben ist keine Schande, auch wenn es viel zu oft tabuisiert wird. Wenn ihr erst einmal offen darüber sprecht, werdet ihr schnell merken, wie viele Leidensgenossen ihr habt.

Erst das Gerüst, dann die Kür

Die Struktur eines wissenschaftlichen Textes ist wichtiger als der Stil. Das heißt nicht, dass ihr “frei Schnauze” formulieren sollt. Die schönste Wortgewandtheit nützt euch aber nichts, wenn euer Text ein chaotisches Sammelsurium wirrer Gedanken ist, die zusammenhangslos nebeneinander stehen. Die Struktur muss immer zuerst stimmen, danach könnt ihr so viel an eurem Ausdruck feilen, wie ihr mögt.

Holt euch Feedback ein

Ihr habt euren Text schon gefühlt 100 Mal gelesen und könnt ihn nicht mehr sehen? Das ist ganz normal. Umso wichtiger ist es, dass ihr euch externes Feedback einholt, und zwar je früher, desto besser. Denn kurz vor der Abgabefrist könnt ihr meist nur noch Schönheitsfehler verbessern – für größere Korrekturen ist es dann meist zu spät.

Zu guter Letzt: Habt Mut zur Lücke!

Eine Bachelor- oder Masterarbeit ist keine Promotion oder Habilitationsschrift. In 8 bis 24 Wochen habt ihr nur begrenzte Möglichkeiten. Seid deshalb mutig, Themen bewusst auszuklammern und bestimmte Forschungsliteratur außen vor zu lassen – solange ihr es begründen und eure Forschungsfrage trotzdem gewissenhaft beantworten könnt. Zu viel Perfektionismus kann auch problematisch sein.