Wie setzt sich der Preis einer KFZ-Versicherung zusammen?

So beeinflussen Automodell und Fahrverhalten deinen Versicherungsbeitrag – und das ändert sich 2021

Artikel

Lesedauer: 5 Minuten

2020-10-25

Das erste Auto gehört sicherlich zu einem der größeren Meilensteine im Leben. Mit der Fahrertür öffnet man zugleich das Tor zur Welt: Denn gerade in Europa sind neue Erfahrungen, fremde Kulturen und lebenslange Erinnerungen nur einen Roadtrip mit Freunden entfernt. Was könnte einen jetzt noch aufhalten?

Naja. Geld natürlich. Denn ein neues Auto kostet nicht nur bei der Anschaffung – gerade Benzin und Versicherung sind regelmäßige Kosten, die unser Budget merklich schmälern. Doch wo die Benzinkosten sich recht nachvollziehbar nach dem Verbrauch richten, fragen sich viele Autofahrer zurecht: Wie setzt sich eigentlich der Preis meiner KFZ-Versicherung zusammen? Wir möchten Licht ins Dunkel bringen.

1. Das Fahrverhalten anderer Menschen

Ja, du hast richtig gelesen. Wie andere Fahrer sich verhalten beeinflusst, wie dein Risiko eingestuft wird. Damit wird wiederum bestimmt, wie teuer dein Versicherungsbeitrag ist. Dabei geht es um die Menschen, die das gleiche Automodell fahren wie du und diejenigen, die im Umkreis deines Wohnorts einen Schaden verursachen. Wir erklären es dir gerne genauer.

- Dein Auto

Einerseits spielt es eine große Rolle, wie andere Fahrer deines Automodells sich im Straßenverkehr verhalten. Deren Fahrverhalten ist die Grundlage zur Einstufung deines Automodells in eine bestimmte Typklasse. Konkret wird betrachtet, wie hoch die Schadenssummen der letzten drei Jahre pro Automodell waren. Je höher die Summen, desto schlechter die Typklasse. Dabei wird zwischen Haftpflicht-, Teilkasko- und Vollkaskoschäden unterschieden.

Die großen Unterschiede von Modell zu Modell zeigen, dass es wohl durchaus Tendenzen gibt. Ob deine Vorurteile gegen Fahrer bestimmter Fahrzeugmodelle stimmen? Finde es heraus! Denn wie welches Modell eingestuft wird, kannst du der Liste des GDV entnehmen. Der GDV hat darin alle Automodelle in verschiedene Typklassen für KFZ-Haftpflicht, Teilkasko und Vollkasko eingestuft.


Am Ende liegt die Entscheidung übrigens beim Versicherer selbst, wie sehr dein Automodell deinen Beitrag in die Höhe treibt.

- Dein Wohnort

Andererseits spielt dein Wohnort eine große Rolle. Konkret geht es hier darum, wie sich das Unfallgeschehen rund um deinen Wohnort gestaltet. Die Grundannahme ist hierbei, dass wir im engen Umkreis unseres Wohnorts am meisten mit dem Auto unterwegs sind.

Die Einstufung innerhalb einer Stadt kann stark variieren, und auch von Versicherer zu Versicherer gibt es hier große Unterschiede. Einen groben Überblick erhältst du in der Regionalklassen Abfrage des GDV. Übrigens: Für rund 9 Mio. Autofahrer ändert sich im Jahr 2021 die Regionalklassse. Inwiefern sich das auf deinen Tarif auswirken könnte, kannst du hier nachlesen.

2. Du

Anders können wir das leider nicht ausdrücken. Bei der Bepreisung von Versicherungen versucht man letztendlich immer, dem Risiko ein Preisschild zu geben. Und der wichtigste Risikofaktor ist der Fahrer bzw. die Fahrerin natürlich selbst. Zwei Faktoren liegen dabei auf der Hand: dein Alter und wie lange du bereits einen Führerschein hast. Jüngere, unerfahrene Fahrer bergen tendenziell ein höheres Risiko, während Fahrer in den 30ern und 40ern am risikoärmsten eingestuft werden.

3. Dein Fahrverhalten

Das Fahrverhalten kann bei der Preisbildung eine Rolle spielen. Hierfür ist unter anderem die Schadenfreiheitsklasse (SF-Klasse) entscheidend. Sie besagt, wie lange du schon schadenfrei unterwegs bist. Sie wird besser, je länger du ohne Schaden fährst und schlechter, sobald du einen Schaden hast. Die SF-Klasse ist ein etabliertes Kriterium zur Risikobeurteilung, aber auch umstritten: So ist die Rückstufung nach einem Unfall nicht einheitlich festgelegt und wird je nach Versicherung unterschiedlich gehandhabt. Zum Anderen benachteiligt das Konzept bestimmte Personengruppen, wie etwa jüngere Fahrer oder Personen, die viele Jahre Firmenwagen gefahren haben.

Die SF-Klasse ist allerdings nur für deine KFZ-Haftpflicht und deine Vollkasko relevant. In der Teilkasko spielt sie keine Rolle, da die dort abgesicherten Schäden nicht vom Fahrer selbst verursacht werden (hier geht es vor allem um Dinge wie Diebstahl oder Unwetterschäden).

Zusammengefasst bedeutet das für dich: Je länger du ohne Schaden fährst, desto günstiger wird deine KFZ-Versicherung.

Ein anderer Faktor ist, wie häufig du dein Auto nutzt. Fährst du sehr wenig oder nur kurze Strecken, kommen im Jahr vermutlich nicht mehr als 10.000 km zusammen. Fahrer, die häufig fahren bzw. ab und zu sehr lange Strecken hinter sich legen, sind allein durch die Zeit hinterm Steuer länger dem Risiko eines potenziellen Verkehrsunfalls ausgesetzt. Für Vielfahrer ist die KFZ-Versicherung also in der Regel eine teurere Angelegenheit.

Fazit

Wie du siehst errechnet sich der Beitrag deiner KFZ-Versicherung aus sehr individuellen Faktoren, die du mal mehr oder weniger leicht beeinflussen kannst. Möchtest du deinen jährlichen Beitrag optimieren, dann frage dich zunächst welchen Spielraum du hast. Klar - dein Automodell, deine SF-Klasse oder deinen Wohnort kannst du kurzfristig natürlich schlecht ändern. Vielleicht kannst du aber deine jährlich gefahrene Strecke reduzieren, indem du öfter auf dein Rad umsteigst. Gerade beim täglichen Pendeln zur Arbeit kann dies einen deutlichen Unterschied machen und schont zudem die Umwelt. Wenn dein Auto schon etwas „in die Jahre“ gekommen ist kann der Wechsel von einer Vollkasko- zur Teilkaskoversicherung für dich eine sinnvolle Anpassung sein. Stehst du kurz vor dem Kauf eines neuen Autos, so kann die Berechnung deines zukünftigen Versicherungsbeitrags eine weitere Entscheidungshilfe zur Auswahl des richtigen Modells sein.


Autor: Kathrin